Testversionen für Kindle Apps?
Montag 8. Februar 2010 von Wolfgang
Welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, um Testversionen von Kindle Apps anzubieten? Derzeit gibt ja verschiedene Modelle. Bei Büchern im Kindlestore kann man das erste Kapitel eines Buchs kostenlos herunterladen und lesen. Findet man interesse daran, findet man auf der letzten Seite im Probekapitel einen Link, mit dem man wieder auf die Produktseite des Buches gelangt und es bequem kaufen kann. Für Bücher finde ich dieses Modell wirklich spitze.
Bei Apps ist es natürlich nicht so einfach ein “Kapitel” zum Testen zur Verfügung zu stellen. Aber hier muss das Rad nicht unbedingt neu erfunden werden. Bei Apples AppStore findet man derzeit verschiedene Ansätze, eine Testversion zur Verfügung zu stellen.
Kostenlose Lite-Version: Bisher gefühlt die häufigste Variante, um eine kostenlose Testversion anzubieten. Der Entwickler erstellt eine abgespeckte Version seiner Anwendung und bietet diese kostenlos an. Diese kann man dann kostenlos herunterladen und zeitlich unbegrenzt testen. Gefällt einem die Anwendung, dann kann man sich die Vollversion kaufen. Meines Erachtens kann man dieses Modell nur begrenzt auf den Kindle übertragen. Kostenlose Apps dürfen für den Kindle maximal ein Megabyte groß sein. Damit darf eine Testversion auch maximal ein Megabyte groß sein. Eine Möglichkeit, diese Einschränkung ein wenig zu entschärfen wären Testversionen, bei denen der Kunde nur für den entstehenden Traffic bezahlt. Aber mal ehrlich: auch wenn es sich hierbei nur um kleine Beträge handelt, bezweifle ich dass viele User für Demos Geld bezahlen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, keine kostenlosen Lite-Versionen, sonderen normale und Pro-Versionen anzubieten. In der Praxis sähe das so aus: ich kann eine kostenpflichtige, aber sehr günstige Version einer Anwendung kaufen. Diese Version hat einen eingeschränkten Funktionsumfang, aber sie ist dauerhaft benutzbar. Gefällt mir die Anwendung, so besteht die Möglichkeit eine Pro-Version mit erweitertem Funktionsumfang kaufen. Dieses Vertriebskonzept kennt man von Desktop Software wie z.B. Photoshop. Für den kleinen Geldbeutel kann man sich Photoshop Elements kaufen, mit dem man schon einiges Anfangen kann. Reicht einem dieser Funktionsumfang nicht aus, so gibt es für deutlich mehr Geld das richtige Photoshop.
Werbefinazierte Version: Die Anwendung ist kostenlos und mit vollem Funktionsumfang erhältlich, blendet aber Werbung ein, um sich zu finanzieren. Optional gibt es auch eine Pro-Version mit gleichem Funktionsumfang, aber ohne Werbung. Amazon gestattet keine Werbung in Kindle Apps. Daher scheidet diese Variante von vornherein aus.
Vollversion durch In-App-Purscase: Wurde im Apple AppStore erst vor ein paar Monaten eingeführt. Die Idee ist simpel: eine Anwendung bietet die Möglichkeit, über eine Art internen Store zusätzliche Inhalte zu kaufen. Das können beispielsweise Levels für ein Spiel, Karten für eine Navigationslösung oder aber auch die Vollversion einer Demo sein. Der KDK API fehlt bisher die notwendige Schnittstelle, um direkt aus einer Anwendung heraus etwas zu kaufen. Daher scheidet diese Möglichkeit erstmal auch aus. Vom Prinzip ähnelt dieser Ansatz aber stark den eingangs erwähnten Probekapiteln.
Natürlich gibt es neben diesen drei Vertriebsmodellen noch weitere abseits den großen AppStore:
Zeitlich begrenzte Testversion: Eine Testversion ist nach dem ersten Start nur für eine begrenzte Anzahl von Tagen lauffähig Sehr beliebt bei Shareware auf Mac und PC.
Begrenzte Anzahl von Starts: Ähnlich wie bei der zeitlich begrenzten Testversion: eine Anwendung lässt sich z.B. nur 10x starten.
Durch die Größenbegrenzung von einem Megabyte für kostenlose Apps denke ich, dass sich beim Kindle App Store eine eigene Kultur für Testversionen bilden wird beispielsweise bei Apples AppStore. Für kleine Anwendungen, die unter einem Megabyte liegen ist es durchaus denkbar, dass eine Testversion angeboten wird. Ich glaube aber nicht, dass sich viele Entwickler die Mühe machen und aus einer 100 MB Anwendung eine Mini-Testversion extrahieren.
Eine Alternative dazu wäre natürlich eine offizielle Möglichkeit von Amazon, kostenlose Testversionen jeder Größe zu verteilen. Ich denke aber, dass dies aufgrund der Traffickosten und der anderen ausstehenden Features (Audio API,…) erstmal nicht so schnell kommt. Aber ich lasse mich natürlich gerne überraschen.
Kategorie: Entwicklung | Kommentare deaktiviert